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Marktphasen erkennen: Wann deine Strategie überhaupt funktioniert

9 Min. Lesezeit

Ein Marktfilter beantwortet vor jedem Einstieg genau eine Frage: Ist das Umfeld eines, in dem dein Setup funktioniert? Welchen Filter du dafür wählst, ist weniger wichtig als die Frage, ob du ihn konsequent anwendest und ob er bei dir überhaupt trennscharf ist. Und die richtige Konsequenz bei negativem Filter lautet, Anzahl und Größe der Positionen zu reduzieren, nicht die Einstiegskriterien zu lockern.

Was ist eine Marktphase praktisch?

Eine Beschreibung des Umfelds, in dem dein Trade stattfindet, und nicht eine Prognose darüber, was als Nächstes passiert. Diese Unterscheidung ist der Kern des Themas.

Ein Filter sagt dir nicht, ob der Markt steigt. Er sagt dir, ob die Bedingungen gerade denen ähneln, unter denen dein Ansatz in der Vergangenheit funktioniert hat. Das ist deutlich weniger, als sich viele von einem Filter erhoffen, und deutlich mehr, als ein Gefühl leisten kann.

Für einen Momentum-Ansatz ist das besonders relevant, weil die Prämisse solcher Setups ein Umfeld mit Anschlussbewegung voraussetzt. Fehlt dieses Umfeld, sind die Signale nicht schlechter geworden, aber das, was ihnen folgen sollte, bleibt aus. Die Grundlagen stehen in der Momentum Trading Strategie.

Woran unterscheidest du einen tragfähigen Markt von einer nervösen Seitwärtsphase?

An drei Merkmalen, die sich unabhängig voneinander beobachten lassen und zusammen ein Bild ergeben.

Die Richtung der Referenz

Der einfachste Zugang: Steht ein breiter Index oder ein sonstiger Referenzwert über einer steigenden Durchschnittslinie oder darunter? Das ist kein anspruchsvolles Kriterium, aber es ist eindeutig, und Eindeutigkeit ist hier mehr wert als Feinheit.

Die Breite der Bewegung

Wie viele Instrumente tragen die Bewegung mit? Steigt eine Referenz, während die meisten Einzelwerte nicht mitkommen, ist das Umfeld schmaler als es aussieht. Für einen Ansatz, der auf Einzelwerte setzt, ist genau diese Breite die relevantere Information.

Das Verhältnis von Bewegung zu Richtung

Eine nervöse Seitwärtsphase zeichnet sich nicht durch fehlende Bewegung aus, sondern durch Bewegung ohne Fortschritt. Große Tagesspannen bei unverändertem Stand über Wochen sind das typische Bild, und genau dieses Umfeld erzeugt viele Signale, die sofort wieder zurückkommen.

Dieser dritte Punkt ist der, der am häufigsten fehlt. Wer nur auf die Richtung schaut, hält eine Phase mit großen Schwankungen für handelbar, weil sich etwas bewegt.

Welche einfachen Filter taugen?

Drei, die sich ohne besondere Werkzeuge anwenden lassen. Alle drei sind grob, und das ist beabsichtigt.

  1. Der Stand einer Referenz zu einer steigenden Durchschnittslinie. Ein Zustand mit zwei Ausprägungen, überprüfbar mit einem Blick.
  2. Die Zahl der Instrumente in deiner Beobachtungsliste, die gerade ein gültiges Signal zeigen. Weniger als üblich ist ein Hinweis auf ein enges Umfeld, deutlich mehr als üblich ebenso, nur in die andere Richtung.
  3. Dein eigenes Ergebnis der letzten Wochen nach Setup. Der ehrlichste Filter überhaupt, weil er dein tatsächliches Umfeld misst und nicht ein allgemeines.

Der dritte verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er nichts kostet und trotzdem selten genutzt wird. Er setzt allerdings voraus, dass deine Trades nach Setup segmentiert sind.

Warum ist die Wahl des Filters weniger wichtig als seine Anwendung?

Weil die meisten brauchbaren Filter in den klaren Fällen dasselbe sagen und sich nur in den Grenzfällen unterscheiden. Der Unterschied zwischen zwei Filtern ist damit kleiner als der Unterschied zwischen konsequenter und gelegentlicher Anwendung.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Wer zwischen Filtern wechselt, wechselt in aller Regel zu dem, der den gewünschten Trade gerade erlaubt. Ein Filter, den du frei wählen darfst, ist kein Filter, sondern eine nachträgliche Begründung.

Daraus folgt dieselbe Regel wie bei Ausstiegsdefinitionen: ein Filter je Setup, schriftlich, änderbar zwischen Trades und nicht während eines Trades. Wie diese Logik beim Ausstieg aussieht, steht unter Trendbruch erkennen.

Was ist die richtige Konsequenz bei negativem Filter?

Weniger und kleiner handeln, nicht anders handeln. Konkret heißt das drei Dinge:

  • Weniger Positionen gleichzeitig. Die Obergrenze für das gleichzeitig offene Risiko wird gesenkt, nicht die Qualitätsanforderung an das Signal.
  • Kleinere Positionen. Das Risiko je Trade wird reduziert, während die Rechenlogik unverändert bleibt.
  • Dieselben Einstiegskriterien. Was ein gültiges Signal ist, ändert sich nicht mit dem Umfeld.

Der Grund für den dritten Punkt ist entscheidend: Ein Filter, der die Einstiegskriterien verändert, macht deine Auswertung unbrauchbar. Du weißt danach nicht mehr, ob ein schwaches Ergebnis am Umfeld lag oder an den gelockerten Kriterien, und diese beiden Ursachen verlangen entgegengesetzte Reaktionen.

Welcher Fehler ist der teuerste?

Die Einstiegsschwelle zu senken, weil weniger Signale kommen. Dieser Fehler entsteht nicht aus Unwissen, sondern aus dem Wunsch, aktiv zu bleiben, und er ist besonders tückisch, weil er sich als Anpassung an den Markt tarnt.

Das Muster ist immer dasselbe: Der Filter ist negativ, es gibt kaum saubere Setups, und die vorhandenen wirken im Vergleich zu nichts plötzlich gut genug. Was ein sauberes Setup ausmacht, ändert sich dadurch aber nicht, siehe Breakout Trading.

Die Gegenmaßnahme ist eine Zahl statt eines Vorsatzes: eine Obergrenze für Positionen bei negativem Filter, die vor der Phase feststeht. Ist sie erreicht, gibt es keinen weiteren Einstieg, unabhängig davon, wie das nächste Signal aussieht.

Auf welchem Zeitrahmen prüfst du den Filter?

Auf einem, der zu deiner Haltedauer passt, und typischerweise auf einem gröberen als dem, auf dem du einsteigst. Ein Filter, der schneller kippt als deine Trades laufen, erzeugt Widersprüche statt Orientierung.

Das Symptom ist leicht zu erkennen: Du steigst bei positivem Filter ein und hältst zwei Tage später eine Position, obwohl der Filter inzwischen negativ ist. Was dann gilt, muss vorher geklärt sein. Die saubere Antwort lautet in aller Regel, dass ein kippender Filter bestehende Positionen nicht auflöst, sondern nur neue Einstiege verhindert, weil bestehende Positionen ihre eigenen Ausstiegsregeln haben.

Was gilt in fallenden Märkten?

Ein Filter hat in der Praxis mehr als zwei Zustände, und der dritte wird oft übersehen. Ein klar fallender Markt ist nicht dasselbe wie eine nervöse Seitwärtsphase, auch wenn beide für einen auf steigende Kurse ausgerichteten Ansatz dieselbe Konsequenz haben.

Wer in solchen Phasen auf die Gegenrichtung ausweicht, wechselt nicht den Filter, sondern das Setup. Das ist zulässig, verlangt aber dieselbe Behandlung wie jeder andere Ansatz: eigene Einstiegskriterien, eigene Auswertung und eine eigene Stichprobe, bevor daraus Schlüsse gezogen werden. Wie sich eine Stichprobe beim Segmentieren aufteilt, steht unter Pullback Trading.

Wie machst du die Marktphase zum Pflichtfeld?

Als Auswahlliste mit wenigen Ausprägungen, vergeben vor dem Einstieg. Zwei bis drei reichen, etwa tragfähig, neutral und schwach, und die Zuordnung folgt deinem Filter und nicht deinem Eindruck.

Wichtig ist der Zeitpunkt. Nachträglich vergeben, ist das Feld wertlos, weil die Erinnerung sich an das Ergebnis anpasst: Ein Verlusttrade wird rückblickend leicht zur schwachen Phase. Vor dem Einstieg vergeben, dokumentiert es deine Einschätzung und nicht deren Ausgang.

Ein Trading Journal mit festen Auswahlfeldern macht das zu einem Klick je Trade. Der Aufwand ist gering, der Erkenntniswert ist es nicht.

Wie prüfst du, ob dein Filter überhaupt trennscharf ist?

Indem du deine Kennzahlen nach Marktphase getrennt auswertest und den Abstand zwischen den Gruppen betrachtest. Eine dimensionslose Kennzahl eignet sich dafür am besten, weil sie Segmente unterschiedlicher Größe vergleichbar macht.

Liegen die Ergebnisse über alle Ausprägungen eng beieinander, trennt dein Filter bei dir nicht, und du kannst ihn ersetzen oder streichen. Weichen sie deutlich ab, hast du eine Stellschraube gefunden und weißt, wie viel sie wert ist.

Voraussetzung ist genügend Stichprobe je Ausprägung, nicht insgesamt. Wer nach zehn Trades je Phase vergleicht, misst Zufall und verwirft möglicherweise einen funktionierenden Filter. Wie schnell sich eine Stichprobe beim Segmentieren aufteilt, hängt auch an deinem Zeitrahmen, siehe Swing Trading vs Daytrading.

Wie oft prüfst du den Filter?

Den Zustand täglich vor Handelsbeginn, die Tauglichkeit des Filters quartalsweise. Beides zu vermischen ist der häufigste Umsetzungsfehler.

Die tägliche Prüfung ist eine Ablesung und dauert Sekunden. Die quartalsweise Prüfung ist eine Auswertung, findet außerhalb der Handelszeit statt und kann zu einer Änderung führen. Was nicht passiert, ist eine Änderung des Filters an einem Tag, an dem er gerade einen Trade verhindert.

Häufige Fragen