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Positionsgröße berechnen: Die 1 Prozent Regel einfach erklärt

5 Min. Lesezeit

Die Positionsgröße berechnest du aus drei Werten: deinem Kontostand, dem Prozentsatz, den du pro Trade riskieren willst, und dem Abstand zwischen Einstieg und Stop Loss. Die Formel lautet: Risikobetrag geteilt durch Stop Distanz ergibt die Stückzahl. Die 1 Prozent Regel legt dabei fest, dass ein einzelner Trade höchstens 1 Prozent deines Kontos kosten darf.

Was besagt die 1 Prozent Regel genau?

Die 1 Prozent Regel begrenzt den maximalen Verlust pro Trade auf 1 Prozent des Kontostands. Bei einem Konto von 10.000 Euro bedeutet das: Ein Trade darf im schlechtesten Fall 100 Euro kosten. Wichtig ist die Unterscheidung, die viele Einsteiger übersehen: Die Regel bezieht sich auf das Risiko, nicht auf den Einsatz. Du kannst durchaus eine Position im Wert von 2.000 Euro eröffnen und trotzdem nur 100 Euro riskieren, wenn dein Stop Loss eng genug liegt. Die Positionsgröße und der Risikobetrag sind zwei verschiedene Dinge.

Wie berechnest du die Positionsgröße Schritt für Schritt?

Die Rechnung hat drei Schritte. Erstens: Risikobetrag bestimmen. Bei 10.000 Euro Konto und 1 Prozent Risiko sind das 100 Euro. Zweitens: Stop Distanz ermitteln. Wenn du bei 50 Euro einsteigst und den Stop Loss bei 47 Euro setzt, beträgt die Distanz 3 Euro pro Stück. Drittens: Risikobetrag durch Stop Distanz teilen. 100 Euro geteilt durch 3 Euro ergibt rund 33 Stück. Der Positionswert liegt damit bei rund 1.650 Euro, das Risiko aber bei genau 100 Euro. Diese Rechnung funktioniert für Aktien, Krypto und Futures gleichermaßen, nur die Einheit ändert sich.

Warum ist die Stop Distanz der entscheidende Hebel?

Bei festem Risikobetrag bestimmt allein die Stop Distanz, wie groß deine Position ausfällt. Ein enger Stop erlaubt eine größere Position bei gleichem Risiko, ein weiter Stop erzwingt eine kleinere. Das führt zu einem häufigen Denkfehler: Manche Trader setzen den Stop enger, nur um eine größere Position rechtfertigen zu können. Damit steigt aber die Wahrscheinlichkeit, durch normale Marktschwankungen ausgestoppt zu werden. Die richtige Reihenfolge ist umgekehrt: Der Stop gehört dorthin, wo die Handelsidee widerlegt ist, und die Positionsgröße richtet sich danach.

Was passiert bei zu großen Positionen?

Zu große Positionen wirken doppelt. Rechnerisch verkürzen sie die Zeit, die dein Konto eine Verlustserie überlebt: Bei 10 Prozent Risiko pro Trade genügen wenige Verlust Trades in Folge, um einen Großteil des Kapitals zu verlieren. Psychologisch kommt hinzu, dass eine zu große Position die Disziplin untergräbt. Wer bei jedem Tick einen spürbaren Betrag schwanken sieht, schließt Positionen vorzeitig oder verschiebt Stops. Die Positionsgröße ist damit nicht nur eine Rechenaufgabe, sondern die Stellschraube, die darüber entscheidet, ob du deinen eigenen Plan überhaupt einhalten kannst.

Ist 1 Prozent immer die richtige Zahl?

Nein, 1 Prozent ist ein verbreiteter Ausgangswert, keine Naturkonstante. Einsteiger fahren oft mit 0,5 Prozent besser, weil die Lernphase erfahrungsgemäß Verlustserien mit sich bringt und ein kleineres Risiko den emotionalen Druck senkt. Erfahrene Trader mit langer, dokumentierter Statistik nutzen teilweise 2 Prozent. Entscheidend ist weniger die exakte Zahl als die Konsequenz: Ein Trader, der dauerhaft 0,5 Prozent riskiert, steht langfristig besser da als einer, der zwischen 0,5 und 5 Prozent je nach Bauchgefühl schwankt. Wer seine Positionsgröße nach Überzeugung statt nach Regel wählt, riskiert am meisten genau dann, wenn er sich am sichersten fühlt.

Wie berücksichtigst du Hebel und Margin?

Hebel verändert nicht dein Risiko, sondern nur die benötigte Margin. Das ist der Punkt, an dem die meisten Missverständnisse entstehen. Ob du eine Position von 1.650 Euro mit vollem Kapital oder mit 10-fachem Hebel und 165 Euro Margin eröffnest, ändert nichts daran, dass ein Kursrückgang um 3 Euro pro Stück dich 100 Euro kostet. Der Hebel bestimmt nur, wie viel Kapital gebunden ist. Gefährlich wird er dort, wo er zur Rechtfertigung größerer Positionen dient, weil ja scheinbar Kapital frei ist. Bei gehebelten Produkten kommt zusätzlich das Liquidationsrisiko hinzu: Der Stop Loss sollte immer deutlich vor dem Liquidationspreis liegen.

Wie hängen Positionsgröße und R Multiple zusammen?

Wer konsequent nach fester Prozentregel handelt, bekommt eine nützliche Nebenwirkung geschenkt: Alle Trades werden vergleichbar. Das R Multiple beschreibt das Ergebnis eines Trades relativ zum eingesetzten Risiko. Riskierst du 100 Euro und gewinnst 250 Euro, ist das ein Ergebnis von 2,5R. Riskierst du 100 Euro und wirst ausgestoppt, sind es minus 1R. Der Vorteil: Ein Trade mit 500 Euro Positionswert und einer mit 5.000 Euro sind bei gleichem Chance Risiko Verhältnis statistisch identisch. Ohne feste Positionsgrößenregel funktioniert das nicht, weil dann jeder Trade eine andere Bezugsgröße hätte und Durchschnittswerte über alle Trades hinweg keine Aussage mehr treffen.

Was gilt bei Krypto und volatilen Werten?

Die Formel bleibt identisch, aber die Stop Distanz fällt bei volatilen Werten naturgemäß größer aus. Genau das ist der Punkt, an dem viele Krypto Einsteiger die Rechnung umgehen: Sie behalten die gewohnte Stückzahl bei und akzeptieren stillschweigend ein Vielfaches des geplanten Risikos. Richtig ist der umgekehrte Weg. Wenn ein Wert einen weiteren Stop erfordert, um nicht von normalen Schwankungen ausgestoppt zu werden, muss die Positionsgröße entsprechend sinken. Das fühlt sich nach einer kleinen Position an, hält das Risiko pro Trade aber konstant. Bei Futures kommt hinzu, dass Kontraktgrößen fest sind: Wenn die berechnete Größe unter einen Mindestkontrakt fällt, ist der Trade für dieses Konto schlicht zu groß und sollte ausgelassen werden.

Welche Fehler treten in der Praxis am häufigsten auf?

Vier Fehler tauchen immer wieder auf. Erstens: die Positionsgröße nach verfügbarem Kapital statt nach Risiko bestimmen, also so viel kaufen, wie das Konto hergibt. Zweitens: nach einer Verlustserie die Größe erhöhen, um den Verlust schneller aufzuholen, was das Risiko genau dann steigert, wenn die Strategie ohnehin gerade nicht funktioniert. Drittens: den Risikobetrag vom ursprünglichen Kontostand berechnen statt vom aktuellen, wodurch der prozentuale Anteil nach Verlusten unbemerkt steigt. Viertens: mehrere Positionen im selben Sektor oder derselben Coin-Gruppe halten und dabei übersehen, dass die Einzelrisiken sich addieren, weil die Werte korreliert sind.

Wie dokumentierst du die Positionsgröße sinnvoll?

Damit die Rechnung nicht nur Theorie bleibt, gehören Risikobetrag, Stop Distanz und resultierende Stückzahl vor dem Einstieg festgehalten. Erst dadurch lässt sich später prüfen, ob die geplante Größe auch die tatsächlich gehandelte war. Als Übung: Trage bei deinen nächsten 10 Trades vor dem Einstieg Kontostand, geplantes Risiko in Prozent, Stop Distanz und berechnete Stückzahl in ein Trading Journal ein und vergleiche danach mit der tatsächlichen Ausführung. Die Abweichung zwischen geplanter und gehandelter Größe ist einer der ehrlichsten Indikatoren für die eigene Risikodisziplin.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar.

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