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Stablecoins verstehen: Was die Wahl für dein Risiko bedeutet

9 Min. Lesezeit

Ein Stablecoin ist keine neutrale Rechengröße, sondern eine Position mit eigenem Risiko. Die Kopplung an eine Währung ist eine Zusage des Herausgebers und kein Naturgesetz, und sie wird je nach Konstruktion völlig unterschiedlich hergestellt. Wer Stablecoins als selbstverständlich behandelt, hat einen Teil seines Risikos nicht erfasst, und zwar genau den Teil, der in den eigenen Zahlen nicht auftaucht.

Was ist ein Stablecoin technisch?

Eine auf einer Blockchain geführte Einheit, deren Wert sich an einer Referenz orientieren soll, üblicherweise an einer staatlichen Währung. Der entscheidende Punkt steckt im Wort soll: Die Einheit selbst hat keinen inneren Mechanismus, der ihren Preis festlegt.

Der Preis entsteht wie bei jedem gehandelten Gut am Markt. Was ihn in der Nähe der Referenz hält, ist eine Konstruktion außerhalb der Einheit selbst, und diese Konstruktion unterscheidet sich zwischen den Varianten erheblich.

Für dich als Trader folgt daraus eine einfache Umdeutung: Behandle einen Stablecoin nicht als Kontowährung, sondern als Instrument, das du hältst. Damit fallen die richtigen Fragen von selbst an, nämlich wer dahintersteht und was passiert, wenn die Zusage nicht eingehalten wird.

Wie wird die Kopplung hergestellt?

Drei Konstruktionsarten sind gebräuchlich. Sie unterscheiden sich darin, worauf die Zusage beruht und wer sie einlöst.

Deckung durch Vermögenswerte außerhalb der Blockchain

Der Herausgeber hält Werte in der Referenzwährung oder in kurzlaufenden Forderungen und gibt dagegen Einheiten aus. Die Kopplung beruht darauf, dass sich Einheiten beim Herausgeber gegen die hinterlegten Werte zurückgeben lassen.

Die relevanten Fragen sind hier: Wer darf zurückgeben, zu welchen Bedingungen, und wie wird der Bestand der Deckung geprüft und veröffentlicht. Ein Rückgaberecht, das nur großen Partnern offensteht, ist für dich als Trader eine mittelbare und keine unmittelbare Absicherung.

Überbesicherung mit Kryptowerten auf der Blockchain

Einheiten entstehen, indem Nutzer Kryptowerte als Sicherheit hinterlegen, und zwar im Wert oberhalb der ausgegebenen Summe. Fällt die Sicherheit unter eine Schwelle, wird sie automatisch verwertet.

Diese Variante ist auf der Blockchain nachvollziehbar, was ein echter Vorteil ist. Sie hat dafür eine eigene Abhängigkeit: Die Sicherheit besteht aus Kryptowerten, und deren Kurs bewegt sich in Stressphasen genau dann stark, wenn die Verwertung stattfinden müsste.

Steuerung ohne hinterlegte Deckung

Hier soll die Kopplung durch Regeln entstehen, die Angebot und Nachfrage steuern, ohne dass ein entsprechender Wert hinterlegt ist. Die Zusage beruht damit vollständig auf dem Funktionieren des Mechanismus und auf dem Vertrauen der Teilnehmer.

Ohne Deckung fehlt der Anker, auf den man sich im Zweifel zurückziehen kann. Das ist keine Wertung einzelner Projekte, sondern eine Eigenschaft der Konstruktion.

Warum ist die Kopplung eine Zusage und kein Naturgesetz?

Weil sie an Bedingungen hängt, die außerhalb des Kurses liegen. Ein Stablecoin bleibt nur so lange bei seiner Referenz, wie erstens die Deckung vorhanden und werthaltig ist, zweitens der Rückgabeweg funktioniert und drittens genügend Teilnehmer bereit sind, Abweichungen auszunutzen.

Alle drei Bedingungen sind keine Konstanten. Sie können sich ändern, und sie ändern sich typischerweise in Phasen, in denen ohnehin viel in Bewegung ist. Genau dann brauchst du deine Mittel.

Praktisch heißt das nicht, dass du Stablecoins meiden sollst. Es heißt, dass du die Wahl bewusst triffst und dokumentierst, statt sie als Voreinstellung zu übernehmen.

Wofür hältst du überhaupt Stablecoins?

Die Frage klingt banal und sortiert trotzdem die meisten Unklarheiten. Drei Zwecke sind gebräuchlich, und sie verlangen unterschiedliche Antworten.

  • Als Handelsmedium. Du brauchst die Einheit, weil in ihr gehandelt wird. Hier ist die Haltedauer kurz, und das Risiko der Konstruktion wirkt entsprechend begrenzt.
  • Als Parkposition zwischen Trades. Hier wird aus wenigen Stunden schnell eine dauerhafte Position, ohne dass eine Entscheidung dafür getroffen wurde.
  • Als Sicherheit für Derivate. Hier ist die Einheit Voraussetzung dafür, dass eine andere Position überhaupt bestehen bleibt.

Der mittlere Fall ist der, der am häufigsten unbemerkt bleibt. Wer zwischen zwei Trades in Stablecoins bleibt, hält eine Position in der Zusage eines Herausgebers, ohne das als Entscheidung zu erleben. Wer längere Pausen einlegt, sollte deshalb bewusst entscheiden, ob er in dieser Einheit bleibt oder in die eigene Kontowährung zurückgeht.

Welche Fragen stellst du vor der Wahl?

Fünf, die sich ohne Fachwissen beantworten lassen, wenn der Herausgeber sie beantwortet:

  1. Wer gibt die Einheiten aus und in welchem Rechtsraum?
  2. Worauf beruht die Deckung und wie wird sie geprüft und veröffentlicht?
  3. Wer hat ein Rückgaberecht und unter welchen Bedingungen?
  4. Können Einheiten eingefroren oder gesperrt werden, und wer entscheidet darüber?
  5. Auf welcher Blockchain hältst du sie, denn dieselbe Einheit kann auf mehreren Netzwerken existieren und dort unterschiedlich handelbar sein.

Die vierte Frage wird am häufigsten übersehen und hat den unmittelbarsten Bezug zu deinem Handelsalltag. Wie du deine Zugänge und Auszahlungswege absicherst, steht unter Krypto Konto absichern.

Was tust du, wenn der Kurs von der Referenz abweicht?

Das entscheidest du vorher, nicht währenddessen. Eine Abweichung ist genau die Situation, in der sich schlecht nachdenken lässt, weil sie selten, plötzlich und unübersichtlich auftritt.

Lege deshalb im Voraus zwei Dinge fest. Erstens eine Schwelle, ab der du überhaupt reagierst, damit kleine Schwankungen keine Handlung auslösen. Zweitens, was diese Reaktion ist, also ob du in eine andere Einheit wechselst, offene Positionen reduzierst oder nichts tust und die Abweichung aussitzt.

Eine Sache gehört ausdrücklich nicht dazu: eine Abweichung als günstige Gelegenheit zu behandeln und nachzukaufen. Das ist eine eigene Handelsidee mit eigener Begründung und kein Teil deines Risikomanagements, und sie gehört jedenfalls nicht in eine Position, die du nur zur Abrechnung hältst.

Halte den Vorgang außerdem im Journal fest, mit Datum und Höhe der Abweichung. Sonst erscheint der Effekt später als unerklärliche Differenz in deinen Ergebnissen.

Was bedeutet das für dein Journal?

Zwei Dinge, und beide kosten wenig Aufwand, wenn sie von Anfang an feststehen.

Erstens: Halte je Trade fest, in welchem Stablecoin abgerechnet wurde. Das klingt nach einer Nebensache, ist aber die Voraussetzung dafür, eine Abweichung überhaupt zuordnen zu können. Ohne dieses Feld siehst du später nur ein leicht verändertes Ergebnis und keinen Grund dafür.

Zweitens: Wechsle die Abrechnungswährung nicht mitten im Jahr. Deine Kennzahlen sind Zeitreihen, und eine Zeitreihe verträgt keinen Wechsel der Einheit. Wer im Mai die Abrechnungswährung wechselt, kann das Jahr danach nicht mehr am Stück auswerten, sondern nur noch in zwei Abschnitten.

Ist ein Wechsel unvermeidlich, notiere Datum und Grund und behandle die Zeitreihe bewusst als zweigeteilt. Ein sichtbarer Bruch ist ehrlicher als eine Auswertung, die stillschweigend zwei Einheiten mischt. Wie solche Unterschiede sonst noch ins Journal wirken, steht im Krypto Trading Journal.

Warum ist ein Stablecoin als Sicherheit etwas anderes?

Weil dabei zwei Risiken übereinanderliegen, die sich nicht gegenseitig ausgleichen. Wird eine Derivateposition mit einem Stablecoin besichert, hängt deine Sicherheit an der Zusage des Herausgebers, während dein Handelsergebnis am Kurs des gehandelten Werts hängt.

Das unterscheidet diese Konstellation von einer Besicherung mit dem Kryptowert selbst, bei der Sicherheit und gehandelter Wert dieselbe Quelle haben. Beides ist nicht besser oder schlechter, aber es ist nicht dasselbe, und die Unterschiede wirken sich auf die Berechnung deiner Kennzahlen aus. Die Grundlagen dazu stehen unter Krypto Futures vs Spot, und die laufenden Kosten solcher Positionen unter Funding Rate verstehen.

Praktische Konsequenz: Halte im Journal fest, worin die Sicherheit bestand, nicht nur ihre Höhe. Ohne diese Angabe lassen sich Trades aus verschiedenen Zeiträumen später nicht sauber vergleichen.

Was ist mit dem Wechselkurs zum Euro?

Das ist der am meisten unterschätzte Punkt für alle, die in Euro rechnen. Ein Stablecoin, der an eine andere Währung gekoppelt ist, ist für dich keine stabile Größe, sondern eine Fremdwährungsposition.

Solange du in dieser Einheit handelst und rechnest, fällt das nicht auf. Sobald du dein Ergebnis in Euro betrachtest oder Mittel zurücktauschst, kommt eine Bewegung hinzu, die mit deinen Trades nichts zu tun hat. Ein gutes Handelsjahr in der Abrechnungswährung kann in Euro schwächer ausfallen und umgekehrt.

Deshalb lohnt es sich, dein Ergebnis in beiden Einheiten zu führen: in der Abrechnungswährung, um deine Handelsentscheidungen zu bewerten, und in Euro, um zu sehen, was tatsächlich beim Konto ankommt. Ein durchgehend geführtes Krypto Trading Journal kann beide Sichten nebeneinander halten, sofern der Umrechnungskurs je Vorgang erfasst wird.

Häufige Fragen