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Drawdown im Trading: Wie viel Verlust ist normal?

9 Min. Lesezeit

Ein normaler Drawdown ist keine feste Prozentzahl, sondern ergibt sich aus deiner eigenen Trefferquote und deinem Risiko je Trade. Wer mit 40 Prozent Trefferquote handelt, muss mit Verlustserien rechnen, die bei 70 Prozent Trefferquote nie vorkämen. Die Frage lautet deshalb nicht, wie viel Verlust allgemein normal ist, sondern ob dein aktueller Rückgang noch in den Bereich fällt, den deine Zahlen vorhersagen.

Was ist ein Drawdown genau?

Der Drawdown misst den Rückgang deines Kontos von einem Höchststand bis zum tiefsten Punkt danach, üblicherweise in Prozent dieses Höchststands. Der maximale Drawdown ist der größte solche Rückgang über einen Zeitraum.

Wichtig ist die Bezugsgröße. Ein Rückgang wird nicht am Startkapital gemessen, sondern am letzten Hoch. Wer von 10.000 auf 12.000 gestiegen und dann auf 10.800 gefallen ist, hat keinen Gewinn von 8 Prozent im Blick, sondern einen Drawdown von 10 Prozent. Beides ist gleichzeitig wahr, und die zweite Zahl ist die, an der sich entscheidet, ob du durchhältst.

Der Drawdown ist außerdem die einzige gängige Kennzahl, die die Reihenfolge deiner Trades berücksichtigt. Zehn Verluste am Stück und danach zehn Gewinne ergeben denselben Gewinnfaktor wie ein regelmäßiger Wechsel, aber einen völlig anderen Drawdown.

Warum gibt es keine allgemeingültige normale Zahl?

Weil der erwartbare Rückgang direkt von zwei Größen abhängt, die jeder anders wählt: der Trefferquote und dem Risiko je Position.

Eine Strategie mit niedriger Trefferquote und großen Gewinnern erzeugt zwangsläufig längere Verlustserien als eine mit hoher Trefferquote und kleinen Gewinnern, selbst wenn beide am Ende dasselbe Ergebnis liefern. Wer eine allgemeine Prozentzahl nennt, ohne diese beiden Werte zu kennen, rät.

Die brauchbare Frage lautet deshalb: Liegt der aktuelle Rückgang innerhalb dessen, was deine eigenen Zahlen erwarten lassen? Und diese Frage lässt sich rechnen.

Wie berechnest du deine eigene Erwartung?

Ausgangspunkt ist die Wahrscheinlichkeit einer Verlustserie. Bei einer Trefferquote von 40 Prozent liegt die Verlustwahrscheinlichkeit je Trade bei 60 Prozent. Für mehrere Verluste in Folge multiplizierst du diesen Wert mit sich selbst.

Ein Beispiel mit diesen Werten:

  • fünf Verluste in Folge: 0,6 hoch 5, also rund 8 Prozent
  • acht Verluste in Folge: 0,6 hoch 8, also rund 1,7 Prozent

Rund 1,7 Prozent klingt nach wenig. Über hundert Trades hinweg ist eine solche Serie aber nicht die Ausnahme, sondern zu erwarten, weil es hundert Gelegenheiten für ihren Beginn gibt. Genau hier liegt der Denkfehler, der die meisten Trader in Verlustphasen aus der Bahn wirft: Sie halten ein statistisch unauffälliges Ereignis für ein Signal.

Aus der Serie folgt der Rückgang. Acht Verluste zu je einem R bei einem Prozent Risiko je Trade ergeben grob acht Prozent Rückgang, etwas weniger, weil das Konto zwischendurch kleiner wird und ein Prozent davon ebenfalls kleiner ausfällt. Wie das Risiko je Trade sauber festgelegt wird, steht unter Positionsgröße berechnen.

Wie hängt der Drawdown an der Positionsgröße?

Nahezu linear, und das ist die wichtigste Stellschraube überhaupt. Wer dieselbe Strategie mit zwei Prozent statt einem Prozent Risiko je Trade handelt, bekommt bei identischer Trefferquote ungefähr den doppelten Rückgang.

Das ist kein Argument gegen größere Positionen, aber ein Argument dafür, die Entscheidung bewusst zu treffen. Die relevante Frage ist nicht, welchen Gewinn du dir wünschst, sondern welchen Rückgang du in einer Verlustserie tatsächlich aushältst, ohne die Regeln zu ändern. Diese Zahl kennt niemand vorher genau, aber du kannst sie eingrenzen, indem du dir deine bisher schlechteste Phase anschaust.

Wann deutet ein Drawdown auf ein Strategieproblem hin?

Drei Signale sind aussagekräftig, und keines davon ist die Höhe allein.

Der Rückgang liegt deutlich über allem, was in deinen Daten vorkam. Wenn deine längste bisherige Verlustserie sechs Trades war und du jetzt bei vierzehn stehst, ist das mehr als Rauschen. Voraussetzung ist eine Historie, die lang genug ist, um überhaupt eine Aussage zu erlauben.

Der Anteil regelkonformer Trades ist gefallen. Dann ist nicht die Strategie das Problem, sondern die Umsetzung, und der Drawdown ist eine Folge davon und nicht seine Ursache.

Die Verteilung hat sich verändert. Prüfe, ob deine Verlusttrades weiterhin bei etwa minus einem R liegen. Häufen sich größere Verluste, funktionieren deine Stopps nicht mehr wie geplant, etwa durch Kurslücken oder schlechte Ausführung. Wie du das prüfst, steht unter Stop Loss richtig setzen.

Was tust du in einem Drawdown?

Drei Dinge, in dieser Reihenfolge.

Erstens die Positionsgröße reduzieren, etwa halbieren. Das verlangsamt die Erholung und begrenzt den Schaden, falls die Phase weitergeht. Es ist außerdem die einzige Maßnahme, die sofort wirkt und keine neue Information braucht.

Zweitens die Regeln unverändert lassen. Eine Verlustserie ist der schlechteste denkbare Zeitpunkt für eine Strategieänderung, weil du unter Druck entscheidest und die Datenlage schlecht ist. Wer nach jeder Serie das System wechselt, sammelt Anfangsphasen verschiedener Systeme und nie das Ergebnis eines einzigen.

Drittens die drei Signale von oben prüfen. Das ist eine Auswertung und keine Reaktion, sie gehört in den nächsten festen Auswertungstermin und nicht in den laufenden Handelstag.

Wie unterscheidet sich ein Drawdown von einer normalen Verlustserie?

Die beiden Begriffe werden oft gleichgesetzt, meinen aber verschiedene Dinge, und die Unterscheidung ist praktisch nützlich.

Eine Verlustserie zählt Trades: wie viele Fehlschläge kamen direkt hintereinander. Ein Drawdown misst Geld: wie weit ist das Konto vom letzten Hoch entfernt. Beide hängen zusammen, decken sich aber nicht.

Ein Konto kann ohne jede Verlustserie in einen deutlichen Drawdown laufen, wenn zwischen den Verlusten kleine Gewinne liegen, die die Verluste nicht ausgleichen. Umgekehrt kann eine lange Verlustserie kaum sichtbar bleiben, wenn ihr ein großer Gewinn vorausging, der das Konto weit über das vorherige Niveau gehoben hat.

Für die Einschätzung brauchst du deshalb beide Zahlen. Die Serienlänge sagt dir, ob das Muster deiner Trades noch dem entspricht, was deine Trefferquote erwarten lässt. Der Drawdown sagt dir, was das für dein Kapital bedeutet und wie lange die Erholung dauern dürfte. Eine kurze Serie mit ungewöhnlich großem Rückgang deutet auf zu große Positionen hin, eine lange Serie mit kleinem Rückgang eher darauf, dass dein Risiko je Trade angemessen gewählt ist.

Was tust du auf keinen Fall?

Die Positionsgröße erhöhen, um den Rückgang schneller aufzuholen. Der Gedanke ist nachvollziehbar und die Wirkung fatal, weil du das Risiko genau dann steigerst, wenn deine Entscheidungsqualität nachweislich schlechter ist. Verlustserie und erhöhter Handlungsdruck treten typischerweise gemeinsam auf.

Ebenfalls nicht: die Stopps ausweiten, damit weniger Trades ausgestoppt werden. Das senkt die Anzahl der Verluste und erhöht ihre Größe, verschiebt das Problem also nur und verschlechtert dabei die Auswertbarkeit.

Warum ist die Erholung schwerer als der Rückgang?

Weil beide auf unterschiedliche Beträge gerechnet werden. Ein Verlust von 20 Prozent lässt aus 10.000 noch 8.000 werden. Um wieder auf 10.000 zu kommen, brauchst du 2.000 auf einer Basis von 8.000, also 25 Prozent.

Diese Asymmetrie wächst überproportional. Bei 50 Prozent Rückgang brauchst du 100 Prozent Zuwachs, um wieder am Ausgangspunkt zu stehen. Das ist reine Arithmetik und der stärkste Grund dafür, den Drawdown von vornherein zu begrenzen, statt ihn später aufholen zu wollen.

Wie erfasst du Drawdown im Journal?

Drei Angaben reichen:

  1. Kontostand nach jedem abgeschlossenen Trade, damit sich die Kurve überhaupt berechnen lässt.
  2. Aktueller Abstand zum letzten Höchststand in Prozent, als laufender Wert.
  3. Länge der aktuellen Verlustserie und die längste bisherige, als Vergleichswert.

Der dritte Punkt ist der praktisch wertvollste, weil er im Moment die entscheidende Frage beantwortet: Ist das hier schon außergewöhnlich oder noch normal? Ergänzend lohnt die Auswertung der Ergebnisse in Vielfachen des Risikos, dazu mehr unter R Multiple im Trading. Die Felder dafür liefert ein strukturiertes Trading Journal.

Fazit

Es gibt keinen allgemein normalen Drawdown, sondern nur einen, der zu deiner Trefferquote und deinem Risiko je Trade passt. Rechne deine erwartbare Verlustserie aus, bevor sie eintritt, und vergleiche im Ernstfall gegen diese Zahl statt gegen dein Gefühl. In der Phase selbst reduzierst du die Größe und lässt die Regeln unverändert. Und denk an die Asymmetrie: Ein begrenzter Rückgang ist deutlich billiger als seine spätere Aufholung.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Beispielzahlen sind zur Veranschaulichung gewählt und keine Aussage über erzielbare Ergebnisse. Handel mit Wertpapieren und Kryptowerten ist mit dem Risiko von Verlusten bis zum Totalverlust verbunden.

Ein Rückgang lässt sich messen, seine häufigste Ursache aber vorab begrenzen. Wie du das addierte offene Risiko über alle Positionen berechnest, zeigt der Artikel zur Korrelation.

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